Absurd absurde Gedichtchen
- Dalibor Truhlar

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Auswahl aus meinem Buch "Gedichtchen", die von hoffentlich witzig bis auf jeden Fall seltsam reichen
Autor: Dalibor Truhlar
Der Kuhtag
Es war einer dieser Tage
nach einer lang durchzechten Nacht,
die man in arg verkrümmter Lage
halb dösend hat verbracht.
Wo der Morgen grau dich grüßt,
und um sich zu verschönern,
den grausten Regen gießt
in Bächen und in Strömen.
Und dieser dann in seiner Art,
so warm, so sanft, so streichelzart,
dem Trommelfeuer ähnlich gleich
prasselt brutzelnd extraweich …
Da wacht ich auf in aller Frühe,
und müden Äugleins blickt ich raus,
auf der Straße dreizehn Kühe,
die standen dort vor meinem Haus.
Unbeeindruckt, seltsam träge,
als wären’s dort um rumzumuhn,
als gäb es keine Wiesenwege,
als hätten’s gar nix sonst zu tun.
„Verschwindet! Ihr seid mir zu viele!“,
rief ich ihnen ärglichst zu.
Sagt die eine: „Explodiere“,
und wiederkäut in aller Ruh.
Ich hätt sie schlagen können sollen
ob des lässig lockren Tons,
doch der Kopf bummte wie befohlen
und ich brauchte ein Kaubonbon.
Also kroch ich bis zum Becken,
mixte mir ein’ Sprudeltrank,
und schlurfte siechend, am Verrecken,
zum Hartezeitenarzneischrank.
Da waren diese kleinen Dinger,
weiß und flach und plättchenrund,
ich drückte eins mir mit dem Finger
aus dem Päckchen in den Mund.
Kaum hatte es den Weg gefunden
in das Blut mir zum Behelf,
war die dumme Kuh verschwunden,
da waren’s eben nur noch zwölf.
Ich kombinierte und kapierte
– und das passierte mir sonst nie –
konsumierte und dezimierte
so die gesamte Kolonie.
Innerhalb von zwei, drei Stunden
waren alle Viecher weg,
ich flog im Zimmer ein paar Runden
und fühlte mich so gut wie Dreck.
Kurzgedicht
A?
Der Grugru und der Schnuschnu
Der Grugru und der Schnuschnu,
die hatten keinen Streit,
bei dem ging’s wie nimmer
um Unneid und Nichthöflichkeit.
Denn der Grugru war nicht neidig
auf den Namen des Schnuschnus,
weil er schönklingend gar unschön klang,
wenn er klang bei keinem Gruß.
Der Schnuschnu dagegen wollte nicht
etwas in seinem Namen
vom Namen des Grugru
zumindest silbenmäßig haben.
Zusätzlich kam nicht hinzu,
dass sowohl Grugru als auch Schnuschnu
nur ungern „Sie“ zueinander sagten,
doch aufgrund von Respektlichkeit
kein „Du“ einfach nicht wagten.
Also setzten sie sich ja nicht hin,
was selten niemals so geschah,
und nichts danach mehr so mehr war,
wie früher einst so sonnenklar.
Jetzt heißt der Schnuschnu Gruschnuschnu
und der Grugru Schnugrugru,
neidlos sind sie höflich sehr
und siezen sich per Du.
Beamtenfleiß
Letzte Woche im Büro
sitz ich da und schau nur so
gelangweilt in der Gegend rum
und mache keinen Finger krumm …
Da kommt mir plötzlich in den Sinn:
Ich weiß ja gar nicht, wer ich bin!
Ich mein, den Namen, ja, den kenn ich
schon,
und die Adresse, wo ich wohn,
das alles ist mir wohlbekannt,
ich hab sie schließlich oft genannt …
Doch wer ist wirklich, frag ich mich,
der Kerl da, mit meinem Ich?
Er ist nicht Du, nicht Sie, nicht Wir,
nicht richtig Er, nicht Es, nicht Ihr …
Das Er ist Ich und Ich ist ich,
das ist alles unterm Strich,
was ich dazu sagen kann,
da besteht kein Zweifel dran.
Aber dieses Meditieren
geht mir ziemlich auf die Nieren,
und um noch mehr rauszufinden,
lass ich mich sogleich verbinden
telefonisch mit meinem Haus …
Auf diese Weise krieg ich’s raus!
Ich warte lang und lass es läuten …
Hat das Piepsen zu bedeuten,
dass niemand da, der rangehen mag?
Na ja, es ist noch früher Vormittag,
aber vielleicht kommt zur Mittagspause
das Ich für kurzen Sprung nach Hause.
Doch schon bald ist sie vorbei,
die Uhr läuft weiter, es wird drei,
dann vier, dann fünf und ich muss bangen,
vielleicht bin ich ausgegangen
und trink ein Bierchen oder Wein …
Verdammt, wo kann ich bloß nur sein!
Ich steh auf und geh im Kreise,
der Vollmond strahlt durchs Fenster leise,
die Kollegen sind im Bett
und der Steuerzahler zahlt’s, wie nett …
Also ess ich einen Müsliriegel
und betrachte mich im Spiegel.
Und da, im Anflug von mentaler Reife,
passiert es, dass ich begreife,
dass in reflexiver Qualität
die singuläre Quantität …
Und dass derjenige, der da fragt,
der ist, der „Ich bin’s“ sagt.
Da wird mir klarerweise klar,
dass ich es bin und ich es war,
der den Tag nur hingedöst
und schließlich das Problem gelöst
und sich dabei selbst gefunden!
Und zwar mit vier, fünf Überstunden …
Recht unrecht
Manche Dinge sind mir recht,
weil manches Ding recht rechtens ist
und rechtens ist doch immer recht,
wie ihr alle wisst.
Doch manche Dinge sind mir echt
beinahe fast schon regelrecht
rechtens richtig recht unrecht!
Weil Unrechtens nur Unrecht zeugt
und Unregelrecht’s Recht sich beugt,
da ist Kritik ja echt berechtigt
und diese ist auch echtens rechtig!
Kik mick
Kik mick dik mick zu bi dub
ob ip ip op du nu kub
lu bie su bie du die nub
luck luck lock lock licki luk
tick tock tog tog tock ti kuk
miki moki miki muk
gu gu go go gi gi gak
lu li li lu tick tock tak!

Der Gedichtband "Gedichtchen" (202 Seiten) von Dalibor Truhlar (ISNI: 0000 0000 8402 2282) erschien 2012 beim Trauner Verlag Linz (ISBN: 978-3-99033-118-7) und als überarbeitete Auflage im Eigenverlag 2023 (ISBN: 979-8-391-07965-1). Er ist auf Amazon ↗ als Taschenbuch und als E-Book erhältlich, kann auf Google Books ↗ kostenlos gelesen und ist auch auf Zenodo ↗ (10.5281/zenodo.18257407).



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