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Johannes 1,48: "Woher kennst du mich?"

  • Autorenbild: Dalibor Truhlar
    Dalibor Truhlar
  • 1. Juni
  • 28 Min. Lesezeit

Bibelkommentar zum Bibelvers Joh 1,48


Autor: Dalibor Truhlar




»Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.« Joh 1,48




Das große Kapitel



Im ersten Kapitel des Evangeliums nach Johannes wird erzählt, wie Philippus Nathanael zu Jesus führt. Jesus begrüßt ihn mit Worten, die zeigen, dass er ihn kennt. Nathanael fragt ihn deshalb, woher er ihn kennt. Jesus gibt ihm daraufhin eine große Antwort, die zu einem großen Bekenntnis führt, woraufhin Jesus ihm noch Größeres verheißt:


»Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazaret. Da sagte Natanaël zu ihm: Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh! Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist. Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah; du wirst noch Größeres als dieses sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.« (Joh 1,45-51


Nathanael fragt also, woher er ihn kennt, und Jesus antwortet: »Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.« (Joh 1,48) Die Frage und die Antwort sind groß, weil sie sich auf Gott beziehen und damit auf Gott verweisen. 


Es ist bereits das ganze erste Kapitel sehr groß. Natürlich haben alle Kapitel ihre Größe, aber gerade dieses beginnt mit den großen Worten: »Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.« (Joh 1,1) Damit bezieht sich der erste Satz dieses ersten Kapitels auf den ersten Satz des ersten Kapitels des ersten Buches Mose und damit auf den ersten Satz der gesamten Bibel: »Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.« (Gen 1,1) Der Schöpfungsbericht wird hier bei Johannes also aufgegriffen, vertieft und fortgesetzt. Damit schließt sich eine große Klammer vom Alten zum Neuen Testament und eröffnet eine Perspektive, aus der heraus das Alte Testament neu begriffen und das Neue Testament besser verstanden wird.


So wird hier die Erschaffung der Welt geschildert, von der wir wissen, dass Gott sie schuf, indem er sprach: »Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.« (Gen 1,3) Nun schreibt Johannes, dass es durch das Wort wurde: »Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.« (Joh 1,3) Und er spricht davon, dass das Wort Fleisch wurde: »Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.« Damit sagt Johannes, dass Jesus Christus das fleischgewordene Wort Gottes ist, der Sohn Gottes, der Messias, der Christus, Gott selbst. Er kommt, um uns zu erlösen, auch wenn wir das oft nicht erkennen und ihn nicht aufnehmen und annehmen: »Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben«. (Joh 1,11-12) Das ist nicht nur eine große Eröffnung, das ist die größte Eröffnung. 


In weiterer Folge des Kapitels stellt Johannes dar, wie Johannes der Täufer auftritt und die Menschen mit Wasser tauft. (Joh 1,26) Er sagt klar und deutlich, dass er nicht der Christus ist, sondern die Stimme eines Rufers in der Wüste, die Jesaja prophezeite. (Joh 1,23, Jes 40,3) Und er kündigt an, dass nach ihm ein Mann kommt, der ihm voraus ist, weil er vor ihm war. (Joh 1,15) Am Tag darauf sieht er Jesus auf sich zukommen und erkennt ihn: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!« (Joh 1,29) Jesus lässt sich von ihm taufen, auch wenn gerade das bei Johannes nicht beschrieben steht, wir es aber aus den Parallelstellen der anderen Evangelien wissen. (Mt 3,13, Mk 1,9, Lk 3,21) Da kommt der Geist wie eine Taube vom Himmel herab und bleibt auf ihm. (Joh 1,32) Das erweist Jesus als den, der mit dem Heiligen Geist tauft. (Joh 1,33) Da bezeugt Johannes: »Dieser ist der Sohn Gottes.« (Joh 1,34)


Dieser ebenso großen Szene folgt die ebenso große Berufung der ersten Jünger, des Andreas und noch eines anderen Jüngers, der namentlich nicht bezeichnet wird,  von dem wir uns aber denken können, dass es sich dabei um Johannes handelt, den Apostel und Verfasser dieses Evangeliums. Sie folgen Jesus und er lädt sie ein, mit ihm zu kommen. (Joh 1,38-39) Später trifft Andreas seinen Bruder Simon Petrus und sagt zu ihm, dass sie den Messias fanden, auf Griechisch Christus. Er führt ihn zu Jesus und Jesus gibt Simon den griechischen Namen Kephas, lateinisch Petrus, der Fels. (Joh 1,42) Das ist eine ebenso große Szene, denn hier werden die ersten Apostel berufen und mit Petrus derjenige, dessen Nachfolger heute die Päpste als die irdischen Stellvertreter Christi sind.


Am Tag darauf beruft Jesus auch Philippus, zu dem er sagt: »Folge mir nach!« (Joh 1,43) Anschließend kommt die Szene, um die es uns hier geht.


Wir sehen also, dass es ein großes Kapitel ist mit vielen großen Szenen. Im Vergleich dazu mag die Stelle mit Nathanael auf den ersten Blick fast schon ein wenig kleiner wirken. Als ob das Fundament der Geschichte gelegt ist und nun die Handlung an Fahrt gewinnt. 


Doch wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir, dass auch diese Stelle eine Größe hat, die umso größer wird, je mehr wir uns in sie vertiefen. Denn in dieser Erzählung verbirgt sich das eine oder andere Rätsel und es geht dabei wohl auch um uns alle. Vor allem aber geht es um Gott, der sich hier offenbart und in die Zukunft weist. Sehen wir uns diese Stelle an, die übrigens nur im Johannesevangelium vorkommt, und betrachten wir sie im Detail.



»Komm und sieh«



»Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazaret. Da sagte Natanaël zu ihm: Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh!« (Joh 1,45-46


Wenn Philippus Nathanael mit diesen Worten anspricht, sollten wir uns vor Augen halten, dass er ihn über das größte Ereignis informiert, das wir uns vorstellen können. Denn dass sie Christus fanden, ist die Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments, die den Messias ankündigen. Das war damals die langersehnte Hoffnung und höchstaktuelle Erwartung der Menschen. Philippus beruft sich zwar nicht auf bestimmte Stellen, vielleicht, weil es so viele von ihnen gibt, es so offensichtlich ist und bei Nathanael wohl auch nicht nötig, aber wir können gleich an einige von ihnen denken, die den Messias in der Tora und bei den Propheten voraussagen: sein Kommen (Dt 18,15, Gen 49,10, 2 Sam 7,12-14), seine Geburt (Jes 7,14, Jes 11,1, Jes 9,5), sein Wirken (Jes 42,1, Jer 23,5, Dan 9,24-27), seine Herrschaft (Hes 34,23, Hes 37,24-28,), sein Leiden (Jes 53, Sach 12,10), seinen Sieg (Gen 3,15), sogar seinen Geburtsort (Mi 5,1): »Aber du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.« Philippus kommt also mit der größten Nachricht des Tages und, um ehrlich zu sein, der größten ihres Lebens.


Nathanael reagiert darauf zuerst skeptisch: »Da sagte Natanaël zu ihm: Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?« (Joh 1,46) Auch wenn es sehr hinterfragend klingt, beweist es eben dadurch Nathanaels Kenntnis der Schriften. Denn der Messias ist zwar verheißen, soll jedoch aus Bethlehem kommen, der Stadt des Königs David, wie gerade dargestellt. Und tatsächlich kommt Jesus auch aus Bethlehem, weil er in Bethlehem geboren ist, er lebt aber in Nazareth. Wir sehen also an der Reaktion Nathanaels, dass er schriftkundig ist. Das waren die Menschen der damaligen Zeit wohl ohnehin, denn sie lebten mit den Schriften, die regelmäßig in der Synagoge vorgelesen wurden. Die Tora, die Propheten und die Psalmen waren von größter Bedeutung und Teil ihres Lebens. Wir dürfen vielleicht trotzdem annehmen, dass Nathanael sich noch zusätzlich mit den Schriften beschäftigt, wie der weitere Verlauf der Unterhaltung verdeutlicht. Seine Vorsicht müssen wir deshalb nicht nur negativ als Ablehnung bewerten, sondern können sie auch als interessiertes Fragen beurteilen, das sich einem gelehrt kritischen Zugang verdankt. Schließlich kommt er letztlich mit, als Philippus ihn dazu auffordert.


Die Aufforderung des Philippus’ ist übrigens ebenso interessant: »Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh!« (Joh 1,46) Er argumentiert nicht. Er versucht nicht, ihn zu überreden. Er liefert keine Beweise. Stattdessen fordert er ihn auf, sich selbst zu überzeugen. Das ist wesentlich. Denn der Glaube ist die Reaktion auf die Erfahrung der Offenbarung Gottes. Sie wird nicht bloß begriffen, sie wird erlebt und deshalb verstanden. Deshalb ist es wichtig, mitzukommen und zu sehen, um sie zu erleben.


In dieser Hinsicht ist gerade dieses erste Kapitel erfüllt von vielem Sehen. Johannes schreibt: »Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1,18), womit er sich auf Jesus bezieht. Johannes der Täufer sagt: »Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.« (Joh 1,34) Weiters: »Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt« (Joh 1,29), das er wiederholt: »Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!« (Joh 1,36) Und: »Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.« (Joh 1,33) Jesus sagt zu Andreas und Johannes, als sie ihn fragen, wo er wohnt: »Kommt und seht!« (Joh 1,39) Philippus sagt es zu Nathanael: »Komm und sieh!« (Joh 1,46) Und Jesus spricht zum Schluss: »du wirst noch Größeres als dieses sehen« (Joh 1,50) sowie »Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.« (Joh 1,51) Das Sehen ist die erste Etappe auf dem Weg und das Mitkommen der erste Schritt. 


So schreibt Papst Benedikt XVI., dass die Geschichte von Nathanael uns Anregung zu einer weiteren Überlegung gibt: »In unserer Beziehung zu Jesus dürfen wir uns nicht allein mit Worten zufriedengeben. In seiner Antwort richtet Philippus eine bedeutsame Einladung an Natanaël: ›Komm und sieh!‹ (Joh 1,46b). Unsere Kenntnis von Jesus bedarf vor allem einer lebendigen Erfahrung: Das Zeugnis der anderen ist sicherlich wichtig, da ja in der Regel unser ganzes christliches Leben mit der Verkündigung beginnt, die durch einen oder mehrere Zeugen zu uns gelangt. Aber dann müssen wir es selbst sein, die persönlich in eine innige und tiefe Beziehung zu Jesus hineingenommen werden.« (Benedikt XVI., Generalaudienz, 4. Oktober 2006)


Wir sollen also mitkommen und sehen, nicht einfach auf unserem Platz stehen bleiben. Wir müssen uns in Bewegung setzen. Und wir werden in Bewegung gesetzt. Durch die Nachricht, die Aufforderung, die Neugier, das Interesse, die Hoffnung, die Stimme, die uns ruft, die Hand, die uns berührt, den, der sich zeigt. Die Bewegung ist, was uns zum Erlebnis führt, und das Erlebnis, was uns in Bewegung bringt. Das Sehen ist das Erkennen, Erleben und Erfahren und damit das Begreifen und Verstehen. Das Sehen ist das Einsehen im wahrsten Sinne des Wortes. Es führt in den Glauben. Denken wir an Johannes, als er im vorletzten Kapitel nach Petrus das leere Grab betritt: »Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.« (Joh 20,8) Er kam, sah und glaubte. 


Entsprechend kommt Nathanael mit und entsprechend kommt der Augenblick, in dem er sieht. Bevor wir in diesen Augenblick eintauchen, noch ein Hinweis darauf, dass Nathanael als der Apostel Bartholomäus gilt. In allen drei synoptischen Evangelien wird Bartholomäus in den Apostellisten erwähnt (Mt 10,3, Mk 3,18, Luk 6,14,  auch Apg 1,13), Nathanael aber nicht. Dafür wird Nathanael im Johannesevangelium erwähnt, nicht Bartholomäus. Wir dürfen davon ausgehen, dass sein Name in Wirklichkeit Nathanael Bartholomäus lautet, wobei Bartholomäus ein Patronym darstellt, eine Art Familiennamen, der sich auf seinen Vater bezieht und eigentlich Bar Talmay, Sohn des Talmay heißt bzw. Bar Tolmai bzw. Bar Tholmai. (Benedikt XVI., Generalaudienz, 4. Oktober 2006) Der Name wird in der katholischen Bibelübersetzung als Natanaël transliteriert, wir verwenden hier aber die im deutschen Sprachraum üblichere Schreibweise mit Nathanael.


Spannenderweise wird Nathanael im ersten Kapitel des Johannesevangeliums genannt, also an dieser Stelle, mit der wir uns beschäftigen, als auch im letzten Kapitel, wo er neben Petrus, Thomas, den Söhnen des Zebedäus, nämlich Jakobus und Johannes, sowie zwei anderen Jüngern auftritt, entsprechend an zwei prominenten Stellen, die das Evangelium umrahmen. (Joh 21,2)



»Woher kennst du mich?«



Kommen wir nun zu der Frage, um die es hier geht, und zu dem Grund, warum sie überhaupt gestellt wird: 


»Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist. Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich?« (Joh 1,47-48


Jesus sagt zu Nathanael also etwas, das ihn offensichtlich dazu bringt, anzunehmen, dass er ihn kennt. Deshalb fragt er ihn auch, woher er ihn kennt. Das ist eine naheliegende Vermutung und eine berechtigte Frage. Wir müssen die Frage deshalb nicht unbedingt als Ausdruck des Misstrauens deuten. Vielleicht ist das der Weg, den Nathanael persönlich gehen muss, um ans Ziel zu gelangen. Auch Chrysostomos schreibt, dass Nathanaels Worte nicht die eines Ungläubigen sind und nicht Anschuldigung verdienen, sondern sogar Lob: »denn die Worte sind nicht die eines Ungläubigen, noch verdienen sie Tadel, sondern Lob«, weil Nathanael an die Schriften dachte. (Johannes Chrysostomus, In Iohannem homiliae, 20,1, eigene Übersetzung) »Aber beachte seine Weisheit und Aufrichtigkeit sogar in seinem Zweifeln.« (ebenda) »Und beachte, ich bitte dich, seine Art des Ablehnens, wie sanft er es tat und in Form einer Frage.« (ebenda, 20,2) Und als Jesus zu ihm sagt, dass er ein echter Israelit ist, an dem kein Falsch ist, fragt Nathanael weiter nach, sodass Chrysostomos meint, dass er weiter suchte: »Betrachte den Mann, fest und standhaft. Als Christus gesagt hatte: ›Siehe, ein wahrer Israelit‹ wurde er durch diese Anerkennung nicht eitel, lief nicht dem offenen Lob hinterher, sondern fährt fort genauer zu suchen und zu forschen und begehrt etwas Sicheres zu lernen.« (ebenda)


Die Frage führt in die Tiefe, wenn wir bedenken, was es ist, das Jesus zu ihm sagt. Betrachten wir den Satz.


Jesus bezieht sich mit der Formulierung »an dem kein Falsch ist« (Joh 1,47) wahrscheinlich auf den Psalm 32,2, auf den in der katholischen Einheitsübersetzung als auch in anderen Übersetzungen an dieser Stelle verwiesen wird, auch wenn nicht in allen. (Joh 1,47 EÜ, ELB, LUT, SLT) In diesem Psalm geht es darum, Gott unsere Sünden zu bekennen: »Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist. Solang ich es verschwieg, zerfiel mein Gebein, den ganzen Tag musste ich stöhnen. Denn deine Hand liegt schwer auf mir bei Tag und bei Nacht; meine Lebenskraft war verdorrt wie durch die Glut des Sommers. Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Meine Frevel will ich dem HERRN bekennen. Und du hast die Schuld meiner Sünde vergeben.« (Ps 32,2-5)


Es ist eine wunderschöne und wichtige Stelle. Wir sollen Gott unsere Sünden bekennen und wir dürfen ihm unsere Sünden bekennen. Das ist zentral. Und dazu gehört ebenso zentral, dass in uns keine Falschheit ist, wie in diesem Psalm angeführt, dass wir unsere Sünden also tatsächlich bekennen. Das deckt sich auch mit der Übersetzung des Hebräischen ins Griechische. Im Alten Testament lautet der Ausdruck auf hebräisch רְמִיָּה (remijáh), was wir als Falschheit bzw. Falsch, List, Hinterlist, Trug, Betrug usw. übersetzen können. (Ps 32,2, BHS INT) In der Septuaginta wird die Stelle mit δόλος (dolos) übersetzt (siehe Ps 31,2, LXX, hier ist es aufgrund der abweichenden Zählung der vorangehende Psalm). Und bei Johannes heißt es auf Griechisch ebenso δόλος (dolos). (Joh 1,47, NE 1904 INT


Wenn Jesus das nun zu Nathanael sagt, wird Nathanael sicher zum Nachdenken gebracht. Da er schriftkundig ist und der Psalm bekannt ist, wird er wohl an den Psalm denken. Und er wird erkennen, dass Jesus ihm ein großes Kompliment macht. Es ist ein so großes Kompliment, dass Augustinus sogar von einem ›großen Zeugnis‹ spricht und anmerkt, dass es zu niemandem sonst gesagt wird. (Augustinus von Hippo, Vorträge über das Johannes-Evangelium, 7, 16) Nathanael dürfte sich also freuen. Gleichzeitig muss er sich wundern, woher Jesus das über ihn weiß. Die Aussage beinhaltet eine tiefe Kenntnis seiner Person und der Bezug auf den Psalm vielleicht eine noch tiefere, wie wir bald sehen werden. Er wird sich deshalb fragen, warum Jesus gerade das zu ihm sagt und woher Jesus ihn kennt. 


Deshalb ist es naheliegend, dass er seine Frage so formuliert: »Woher kennst du mich?« (Joh 1,48


Überlegen wir aber, was in dieser Frage noch alles steckt. Die Frage hat Tiefe, weil wir alle sie uns stellen können und weil die Antwort uns alle auf Gott ausrichtet. Denn wir alle können fragen, ob wir gekannt sind und wir alle dürfen mit einem großen Ja antworten.


Gott kennt uns. Er kennt uns, noch bevor wir geboren sind: »Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt« (Jer 1,5), »Der HERR hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt« (Jes 49,1, siehe auch Jes 44,2 und Jes 44,24),  »Als es aber Gott gefiel, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat« (Gal 1,15).


Wir sind von Anfang an gekannt und werden von Beginn an geliebt. Die Liebe Gottes ist der Grund, warum wir überhaupt erst werden, warum wir überhaupt sind.  


Wir können die Frage Nathanaels also einfach als Frage nehmen und sie wörtlich interpretieren, ohne sie symbolisch zu deuten. Wir dürfen aber auch nach mehr suchen und wenn wir das tun, finden wir auch mehr. Weil die Antwort auf die Frage, wenn sie in dieser Hinsicht nicht nur literal, sondern auch existenziell verstanden wird, uns auf Gott ausrichtet, der der Grund unserer Existenz ist und ihr Ziel.


Bei Nathanaels Frage kommt vielleicht noch etwas anderes hinzu. Möglicherweise liegt hier, wie öfters  thematisiert wird, eine Anspielung auf Jakob vor, den Erzvater Israels, den Sohn Isaaks, den Enkel Abrahams. Als er auf die Welt kommt, hält er die Ferse seines Bruders Esau fest und betrügt ihn später um seinen Segen. So sagt Isaak zu Esau: »Dein Bruder ist mit List gekommen und hat dir deinen Segen weggenommen.« (Gen 27,35) Deshalb wird der Name Jakob stellenweise auch als Fersenhalter (Gen 25,26) oder Betrüger ausgelegt (Gen 27,36). Erst später erhält Jakob den Namen Israel und wird zum Stammvater der zwölf Stämme Israels. Wir müssen allerdings darauf hinweisen, dass an der zitierten Stelle mit Isaak und Esau im Hebräischen der Ausdruck מִרְמָה (mirmāh) verwendet wird (Gen 27,35, BHS INT), also Trug, und nicht רְמִיָּה (remijáh), also Falschheit, wie bei Johannes (Joh 1,47, NE 1904 INT). Allerdings übersetzt die Septuaginta genau diese Stelle mit δόλος (dolos) (Gen 27,35, LXX), also genau dem Ausdruck, den auch Johannes gebraucht. Beide Wörter dürften von der gleichen Wurzel abstammen und im Prinzip das Gleiche bedeuten.


Wenn wir es aus dieser Perspektive bedenken, könnten wir also sagen, dass hier ein Bezug darauf hergestellt wird. Indem Nathanael als echter Israelit bezeichnet wird (Joh 1,47), wird er als wahrer Nachkomme Jakobs als Israel beschrieben. Das würde auch deshalb passen, weil Jesus nur wenige Bibelverse später eine Formulierung verwendet, bei der wir an die Jakobsleiter bzw. Jakobstreppe denken dürfen. (Joh 1,51)


Wie auch immer wir diese Stelle in dieser Hinsicht aber interpretieren, sie zeigt: Nathanael wird erkannt, weil er gekannt wird. Bald wird er erkennen und bekennen.



»Unter dem Feigenbaum«



Jesus antwortet nun auf die Frage Nathanaels, woher er ihn kennt, und er antwortet, indem er etwas ganz Besonderes sagt: 


»Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.« (Joh 1,48


Was ist mit dem Feigenbaum gemeint? Was heißt es, dass er ihn dort sah? Um es gleich zu sagen, wir wissen es nicht. Wir wissen es nicht und wir werden es auch nicht wissen, selbst wenn wir uns Gedanken darüber machen. Wir können nur sagen, dass es sich offensichtlich um etwas Bedeutendes handeln muss, sonst würde Nathanael anschließend nicht so reagieren: »Wir wissen nicht, was unter diesem Feigenbaum geschehen war. Offensichtlich handelt es sich um einen entscheidenden Augenblick im Leben Natanaëls. Er fühlt sich von diesen Worten Jesu zutiefst berührt, er fühlt sich verstanden und begreift: Dieser Mann weiß alles über mich, er weiß und kennt den Weg des Lebens, diesem Mann kann ich mich wirklich anvertrauen. Und so antwortet er mit einem klaren und schönen Glaubensbekenntnis, wenn er sagt: ›Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!‹«  (Benedikt XVI., Generalaudienz, 4. Oktober 2006)


Wir dürfen uns aber Gedanken darüber machen, erst recht, wenn diese Gedanken unser Verständnis des Wortes Gottes vertiefen. Vielleicht führen sie uns in diesem konkreten Fall nicht zu einem konkreten Ergebnis, aber vielleicht näher zum Wort Gottes bzw. in sein Wort hinein. Jesus spricht nun einmal von einem Feigenbaum, unter dem er Nathanael sitzen sah, und wir können deshalb nach der Bedeutung dieser Worte fragen. Nur sollten wir uns vor Augen halten, dass wir unsere Antworten nicht überprüfen und deshalb letztlich nicht entscheiden können.


Es gibt dazu unterschiedliche Interpretationen. Eine davon lautet, dass mit dem Feigenbaum einfach ein Feigenbaum gemeint ist, unter dem Nathanael saß. Und weil er dort allein war und niemand ihn sehen konnte, ist die Tatsache, dass Jesus ihn sah, der Beleg dafür, dass er ein besonderes Wissen hat, das ein Mensch nicht haben kann. Deshalb erkennt Nathanael in ihm den Sohn Gottes. 


Das ist eine mögliche Erklärung, die ihre Berechtigung hat. Es stellt sich zwar die Frage, warum diese Antwort Nathanael zu einer so großen Äußerung bewegt, denn seine skeptische Haltung, die sich in seiner kritischen Frage wegen Nazaret äußerte, würde wohl auch diese Antwort in Frage stellen und nicht gleich annehmen. Aber es würde erklären, warum Jesus ihm anschließend sagt, er würde Größeres sehen, denn das wäre dann auf jeden Fall der Fall.


Chrysostomos beschreibt diesen Gedanken und leitet ihn mit einem großen Satz ein: »Er fragte ihn noch immer als einen Menschen, aber Jesus antwortete als Gott. Denn Er sagte: ›Ich habe dich von Anfang an gekannt‹ (ihn und die Aufrichtigkeit seines Charakters, das wusste Er nicht als Mensch, der ihm nah folgte, sondern als Gott von Anfang an) ›und soeben erst sah ich dich unter dem Feigenbaum‹; als dort niemand anwesend war außer Philippus und Nathanael, die all diese Dinge im Privaten sagten.« (Chrysostomus, In Iohannem homiliae, 20,2, eigene Übersetzung) Und er fügt hinzu, dass Jesus ihn natürlich auch schon davor sah, es aber nicht nötig war, es hier zu sagen. (ebenda, 20,3)


Cyrill spricht von einem Wissen, das Gott angemessen ist: »Denn Kenntnis aller Dinge gebührt Gott allein«, und Jesus zeigt Nathanael auf diese Weise, »dass er die Herzen kennt, als Gott.« (Cyril of Alexandria, Commentary on the Gospel according to John, Book 2,47, eigene Übersetzung) 


Und auch Augustinus meint: »Nathanael erinnerte sich, dass er unter dem Feigenbaum gewesen war, wo Christus nicht körperlich anwesend war, sondern nur in Seinem geistlichen Wissen. Deshalb, wissend, dass er allein gewesen war, erkannte er die Göttlichkeit unseres Herrn.« (Augustinus, zitiert nach Thomas von Aquin, Catena Aurea, Chap. 1,47-51, Sermo 40, eigene Übersetzung, Original Sermo 122


Allerdings bringt Augustinus den Feigenbaum auch mit dem Baum der Erkenntnis zwischen Gut und Böse im Garten Eden in Verbindung und bezieht ihn auf die Sünde. Nachdem Adam und Eva sich aus Feigenblättern Schürzen machten, sind unter Feigenblättern Sünden zu verstehen (Augustinus, Johannes-Evangelium, 7, 21). Er interpretiert es dahingehend, dass Nathanael unter der Sünde lag, aber gefunden wurde: »Aber in seiner Barmherzigkeit hat er dich gesehen, bevor du ihn erkanntest, als du unter der Sünde lagest.« (ebenda) So lautet auch die Antwort der Kirche auf die Frage der Sünde, was sucht ihr uns, wenn wir Sünder sind: »Deshalb suchen wir euch, damit ihr nicht verloren gehet; wir suchen, weil auch wir gesucht wurden; wir wollen euch finden, weil auch wir gefunden wurden.«  (ebenda)


Auch Thomas beschreibt den Feigenbaum in einem wörtlichen Sinn: »Denn im literalen Sinn war Nathanael unter dem Feigenbaum, als er von Philippus gerufen wurde: was Christus durch die Kraft seiner Göttlichkeit erkannte, weil, wie gesagt wird in Eccli. 23, v. 28, die Augen des Herrn sind viel leuchtender als die Sonne.« (Thomas, Commentary on the Gospel of St. John 1, Lectio 16, eigene Übersetzung, Thomas zitiert hier die Vulgata, die Stelle ist Sir 23,28


Und auch Thomas schreibt: »Mystisch aber wird durch den Feigenbaum die Sünde bezeichnet [...] Er sagt also, als du unter dem Feigenbaum warst, das heißt, unter dem Schatten der Sünde, bevor du zur Gnade berufen wurdest, sah ich dich, und zwar mit dem Auge der Barmherzigkeit.« (Thomas, Super Evangelium S. Ioannis Lectura, 326, eigene Übersetzung) So können wir den Feigenbaum sowohl wörtlich als auch in einem übertragenen Sinn interpretieren. 


Eine weitere Interpretation besagt, dass Nathanael unter dem Feigenbaum die Schriften studierte. Entsprechend einer Redewendung war es üblich, im Schatten des Feigenbaums zu sitzen, weil man »beim Thorastudium sprichwörtlich gern unter Feigenbäumen« sitzt. (Ludwig Neidhart, Johannesevangelium, 5.1, Seite 49) In dem Zusammenhang wird manchmal auch betont, dass Nathanael unter dem Feigenbaum vielleicht gerade jene Schriften las, in denen vom Messias die Rede ist. Die Israeliten erwarteten den Messias und zwar sehr intensiv, wie auch die Qumran-Schriftrollen belegen. Wenn Jesus also den Feigenbaum erwähnt, so die Interpretation, könnte er auch darauf anspielen, dass er ihn sah, wie er ihn suchte, wie er ihn erwartete und auf ihn wartete. 


Auch das ist eine mögliche Erklärung, selbst wenn wir sie nicht wirklich belegen können. Es würde aber erklären, warum Nathanael ihn gleich darauf als Sohn Gottes anspricht, weil er sich gerade damit beschäftigte und gerade deshalb erkennt. 


Es gibt noch andere Auslegungen. Eine wäre die folgende, auch wenn sie natürlich nur spekulativ ist.


Was ist, wenn Nathanael unter einem Feigenbaum saß und dort Gott seine Sünden bekannte? Es würde einiges auflösen. Nathanael, ein Israelit, der die Schriften kennt, sitzt unter einem Feigenbaum, wo sonst niemand ist und niemand ihn sehen kann. Vielleicht studiert er dort auch die Schriften und liest über den Messias. Vielleicht liest er gerade diesen Psalm. Aber, und das ist wesentlich, er bekennt Gott seine Sünden. Wenn Jesus ihn nun mit den Worten begrüßt, dass Nathanael ein echter Israelit ist, an dem kein Falsch ist und sich damit auf den Psalm 32 bezieht, in dem es um das Bekennen der Sünden geht, sollte Nathanael den Bezug erkennen und ebenfalls an den Psalm denken. Es wäre naheliegend, weil die Israeliten der damaligen Zeit die Psalmen kannten und Nathanael sich offensichtlich in den Schriften auskannte, wie gerade seine Bemerkung mit Nazareth zeigt. Es sollte ihm also etwas sagen. Und wenn er an den Psalm denkt, sollte ihm bewusst sein, dass es darin darum geht, Gott seine Sünden zu bekennen. Und da er gerade Gott seine Sünden unter dem Feigenbaum bekannte, kann er  nur verwundert feststellen, dass es nur einen gibt, der das wissen kann, und das ist derjenige, dem er die Sünden bekannte, Gott. Nathanael müsste also in diesem Augenblick der Enthüllung erkennen, dass Jesus nicht nur jemand ist, der ein besonderes Wissen hat, das andere nicht haben können, wie zum Beispiel zu wissen, dass er unter einem Feigenbaum saß, sondern ein Wissen hat, dass nur Gott haben kann. Daran würde er erkennen, dass er der Sohn Gottes ist. 


Wie gesagt, ist das nur ein spekulativer Gedanke. Aber er würde den vorangehenden Bezug auf den Psalm erklären und das nachfolgende Bekenntnis vielleicht verständlicher machen. Denn nur weil jemand etwas weiß, das schwer oder unmöglich zu wissen ist, oder eine Anspielung auf etwas macht, das man gerade las, führt das nicht automatisch zu einem so großen Bekenntnis.  Aber das Wissen um das Bekennen der Sünden, die nur Gott wissen kann, erweist ihn als Sohn Gottes. Es würde also erklären, warum Nathanael mit seiner Frage so reagiert und dann mit seinem Bekenntnis so antwortet. 


Es ist bereits bei Augustinus die Verbindung zwischen dem Feigenbaum und der Sünde angesprochen und Augustinus schreibt sogar, dass Jesus, als er zu Nathanael sagt, dass an ihm kein Falsch ist, ihn dadurch nicht als frei von Sünde erklärt, sondern als jemanden, der die Sünde bekennt, denn keine Falschheit bedeutet nicht, dass wir ohne Sünde sind, sondern dass wir unsere Sünde zugeben: »Wie war in ihm kein Falsch? Wenn er ein Sünder ist, bekennt er sich als Sünder. Denn wenn er ein Sünder ist und sich für gerecht ausgibt, so ist Falsch in seinem Munde. Er lobte also in Nathanael das Bekenntnis der Sünde, nicht erklärte er ihn für keinen Sünder.« (Augustinus, Johannes-Evangelium, 7, 18) Das heißt nicht, dass Augustinus den vorgetragenen spekulativen Gedanken stützen würde, aber vielleicht besteht die Möglichkeit, in diese Richtung zu denken. 


Auch Rudolf Schnackenburg weist an einer Stelle darauf hin, dass nach Joachim Jeremias der Feigenbaum eine Anspielung auf den Baum der Erkenntnis im Paradies ist. Dann fügt er an, dass Nathanael seine Sünden aufrichtig vor Gott bekannte und Jesus ihn daran erinnerte durch das Zitat aus Psalm 32. (Rudolf Schnackenburg, The Gospel According to St John, Volume one, Herder and Herder, 1967, 1:48, Seite 317) Ob diese Stelle den Gedanken stützt, dass Nathanael seine Sünden unter dem Feigenbaum bekannte, sei dahingestellt. Schnackenburg selbst sagt letztlich auch, dass die Worte so kurz sind, dass es unmöglich ist, mit Sicherheit zu erklären, worauf sie sich beziehen. (ebenda)


Es handelt sich also um spekulative Gedanken, denn wissen können wir es nicht. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass der Feigenbaum in der Bibel sowohl im positiven als auch im negativen Sinn erwähnt wird und deshalb unterschiedlichen Interpretationen Raum bietet. So im Neuen Testament in der Geschichte vom verdorrten Feigenbaum (Mt 21,18-22, Mk 11,12-14.20-25) oder dem Gleichnis vom Feigenbaum ohne Früchte (Lk 13,6-9). Der Feigenbaum wird auch im Zusammenhang mit den Zeichen des Kommens des Reichs Gottes erwähnt (Mt 24,32-33, Mk 13,28-29, Lk 21,29-32) und, im Zusammenhang mit diesem Zusammenhang, auch in der Offenbarung (Offb 6,13). Im Alten Testament gibt es ebenso unterschiedliche Darstellungen, hier sind vor allem jene von Bedeutung, die auf das messianische Zeitalter hinweisen und deshalb in dieser Szene eine Rolle spielen könnten: »ein jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum« (1 Kön 5,5), »ein jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf« (Mi 4,4), »An jenem Tag – Spruch des HERRN der Heerscharen – werdet ihr einander einladen unter Weinstock und Feigenbaum« (Sach 3,10).


Darüber hinaus finden sich im Johannesevangelium einige Stellen, die besonders konkret sind, wie eben der Feigenbaum, und uns vor Fragen stellen, auf die wir die Antworten erst suchen müssen (zum Beispiel Joh 8,6-8, Joh 19,23, Joh 21,8, Joh 21,11) Oft zeigen diese Stellen, dass wir nicht alles wissen und verstehen können. Oft zeigen sie uns aber einen Weg der Vertiefung, auf dem wir lernen dürfen.


Das ist übrigens das Schöne auch an dieser Stelle mit Nathanael. Denn es ist nicht wirklich erforderlich zu wissen, was mit dem Feigenbaum gemeint ist, um den Feigenbaum zu verstehen. Offensichtlich handelt es sich dabei um etwas, das Nathanael etwas bedeutet, sonst würde er nicht so reagieren, wie er reagiert und in Jesus den Sohn Gottes erkennen. Was auch immer es ist, es ist etwas Bedeutendes für Nathanael und wird so zu etwas Bedeutendem zwischen Nathanael und Jesus. Es führt zu seiner Erkenntnis. Es muss nicht zu unserer Erkenntnis führen.


Vielleicht zeigt es uns sogar, dass wir alle einen solchen Feigenbaum in unserem Leben haben. Wir alle haben unseren Feigenbaum, unter dem wir sitzen. Wir alle haben unsere Feigenbaumszenen, in denen wir glauben, allein zu sein. Und wir alle haben unsere Feigenbaummomente, in denen wir, hoffentlich, Gott unsere Sünden bekennen. Wir sollten deshalb wissen, dass wir in solchen Augenblicken nicht allein sind. Wir sind unter dem Feigenbaum nie allein, weil Gott immer bei uns ist. Er sieht uns, er hört uns, er kennt uns.



»Du bist der Sohn Gottes«



Das Bekenntnis, das nun folgt, ist groß, weil es Jesus Christus als Sohn Gottes erweist: 


»Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!« (Joh 1,49


Auf alles, was bis jetzt geschah, ist das die Antwort, die Nathanael gibt. Und es ist eine große Antwort. Er erkennt und bekennt Jesus Christus als Sohn Gottes. 


Wir können hier an das Bekenntnis des Petrus denken, als Jesus die Jünger fragt, für wen sie ihn halten und Petrus antwortet: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« (Mt 16,16) Wir sollten auch daran denken, was Johannes gerade hier, gleich zu Beginn des ersten Kapitels sagt: »Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.« (Joh 1,14)


Aber was bedeutet es, wenn Nathanael Jesus als Sohn Gottes bezeichnet?


Der Sohn Gottes bzw. Gottes Sohn ist ein Hoheitstitel,  der besagt, dass er Gott selbst ist. Er ist der eingeborene Sohn Gottes, der vor der Erschaffung der Welt war, »aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen«. (Nicäno-Konstantinopolitanum) Wenn wir »durch ihn ist alles geschaffen« sagen, wie es im großen Glaubensbekenntnis heißt, dürfen wir gerade hier an den zweiten Satz des ersten Kapitels des Johannesevangeliums denken: »Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.« (Joh 1,3


Dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, bezeugen alle Evangelien:


Bei Matthäus finden wir die Szene beim Hohepriester, in der auch die Wolken des Himmels angesprochen sind, die im nächsten Abschnitt eine Rolle spielen: »Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Christus, der Sohn Gottes? Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.« (Mt 26,63-64)


Bei Markus finden wir es vom Anfang des Evangeliums über die Taufe bis zur Verklärung: »Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn« (Mk 1,1), »Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden« (Mk 1,11), »Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören« (Mk 9,7). Und natürlich an der Stelle, wo Jesus sich mit ›Ich bin‹ als Gott selbst erweist: »Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.« (Mk 14,61-62) Jesus verwendet hier den Ausdruck Ἐγώ εἰμι (Ego eimi) (Mk 14,62 NE 1904) und bezieht sich damit auf die Selbstvorstellung Gottes (Ex 3,14, LXX).


Bei Lukas finden wir es bei der Verkündigung ebenso wie vor dem Hohen Rat: »Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.« (Lk 1,35) »Da sagten alle: Du bist also der Sohn Gottes? Er antwortete ihnen: Ihr sagt es – ich bin es.« (Lk 22,70)


Wir finden es genauso an vielen Stellen bei Johannes, von Johannes dem Täufer: »Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.« (Joh 1,34) über Nathanaels Bekenntnis: »Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!« (Joh 1,49) über Marthas Bekenntnis: »Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.« (Joh 11,27) bis zum Schluss des Evangeliums: »Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.« (Joh 20,31)


Natürlich finden wir es auch in weiterer Folge an anderen Stellen wie in der Apostelgeschichte, den Briefen des Paulus, des Johannes und der Offenbarung sowie dem Buch der Weisheit. (›Sohn Gottes‹ bei Bibleserver)


Wie wir sehen, wird neben ›Gottes Sohn‹ auch vom ›Menschensohn‹ gesprochen. Insbesondere Jesus spricht so von sich selbst in der dritten Person. Das ist deshalb bedeutend, weil er als Sohn Gottes Mensch wird und als Menschensohn durch seine Kreuzigung und Auferstehung den Auftrag vollbringt, zu dem er gesandt ist, zum Vater zurückkehrt, ihm alle Macht gegeben wird und uns den Heiligen Geist sendet.


Das ist bereits im Alten Testament angekündigt, beispielsweise bei Daniel: »Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.« (Dan 7,13-14) Es findet sich aber natürlich auch an anderen Stellen: »Und über der Gestalt des Thrones war von oben her eine Gestalt, die das Aussehen eines Menschen hatte.« (Hes 1,26, auch Hes 8,2


Im Neuen Testament ist es gerade bei Johannes der Fall, dass Jesus selbst oft vom Menschensohn spricht. (Joh 1,51, Joh 3,13, Joh 3,14, Joh 6,62, Joh 8,28, Joh 12,23, Joh 13,31) Auch in der Offenbarung des Johannes, die als letztes Buch die Bibel abschließt, finden sich entscheidende Bezüge: »Da wandte ich mich um, weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn; er war bekleidet mit einem Gewand bis auf die Füße und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.« (Off 1,13-14)


Cyrill von Alexandria schreibt über Nathanael: »Als er dann erkannte, dass der Herr seine Gedanken schaute, die sich im stimmlosen Flüstern in seinem Geist regten, nennt er ihn sofort Meister, begibt sich sogleich bereitwillig in Seine Nachfolge und bekennt Ihn als Sohn Gottes und König von Israel, in Dem die Eigenschaften der Göttlichkeit innewohnend sind, und als gut Unterwiesener bezeugt er, dass Er gänzlich und im Wesen Gott ist.« (Cyril of Alexandria, Commentary on the Gospel according to John, Book 2,49, eigene Übersetzung) 


Wenn Nathanael Jesus als »Sohn Gottes« bekennt (Joh 1,49), haben wir an diese übergroße Geschichte zu denken. Sein Bekenntnis hat eine umso größere Tiefe, weil es sich der Größe Gottes und der Tiefe seines Wortes verdankt. 


Und so erkennen wir an dieser Stelle: Der Schöpfer betritt seine Schöpfung und tritt seinen Geschöpfen gegenüber, um sie zu sich zu führen. 



»Du wirst noch Größeres sehen«



Zum Schluss sagt Jesus noch etwas besonders Bedeutendes: 


»Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah; du wirst noch Größeres als dieses sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.« (Joh 1,50-51


Hier kündigt Jesus an, was sein wird. Er spricht von der Zukunft, zugleich schwingt in seinen Worten die Vergangenheit mit, denn hier ist der Bezug zur Jakobsleiter bzw. Jakobstreppe gegeben, wie bereits erwähnt (Gen 28,10-22) und die sowohl Augustinus als auch Thomas in diesem Zusammenhang erwähnen (Augustinus, Johannes-Evangelium, 7, 23, Thomas, Gospel of St. John 1, Lectio 16, 332) Sehen wir uns die Geschichte kurz an.


Jakob ist auf dem Weg nach Haran und kommt an einen bestimmten Ort, den man später Bet-El nennt. Dort legt er sich schlafen und träumt einen Traum: »Da hatte er einen Traum: Siehe, eine Treppe stand auf der Erde, ihre Spitze reichte bis zum Himmel. Und siehe: Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.« (Gen 28,12) Daraufhin erscheint ihm Gott und sagt ihm, dass er ihm und seinen Nachkommen dieses Land geben will und sie zahlreich sein werden wie der Staub auf der Erde, dass er sich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten wird und durch ihn und seine Nachkommen alle Sippen der Erde Segen erlangen. (Gen 28,13-14


Wir sollten betonen, dass Jakob es ist, der die Treppe sieht, weil sie ihm gezeigt wird. Es ist sonst niemand hier außer ihm. Der Schleier, der oft vor unseren Augen liegt und die Wirklichkeit verbirgt, wird hier kurzzeitig beiseitegeschoben, sodass Jakob sieht und erkennt. Denken wir daran, was wir im zweiten Abschnitt über das Sehen und Erkennen sagten. Auch hier spielt es also eine Rolle. 


Wenn Jesus nun sagt: »Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf-  und niedersteigen sehen über dem Menschensohn« (Joh 1,51), scheint es, dass er sich damit auf eben diese bzw. eine solche Treppe bezieht. Allerdings, und das ist Entscheidende, wird es jetzt nicht nur ein Mensch sein, dem Einblick gewährt wird, sondern alle werden es erblicken. Und das wird möglich, wie wir wissen, weil Jesus es uns durch sein Opfer und seine Auferstehung ermöglicht. Deshalb heißt es wohl auch, dass der Himmel geöffnet sein wird über dem Menschensohn. Der Ausblick auf den Himmel ist uns heute deshalb nicht nur für einen kurzen Augenblick enthüllt, der Schleier ist gänzlich gefallen. Jesus ist es, der uns den Weg in den Himmel öffnet, ins Paradies, zu Gott.


Die Aussage findet ihre Erfüllung und wir finden sie unter anderem gleich im anschließenden Buch der Apostelgeschichte, die dem Johannesevangelium folgt. Hier wird berichtet, wie Stephanus, der erste Märtyrer, vor den Toren Jerusalems gesteinigt wird: »Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.« (Apg 7,55-56)


Hier schließt sich also die Klammer der Erzählung, sowohl was ihren Wortlaut als auch ihren Inhalt als auch die gesamte Geschichte anbelangt. Die Worte Jesu gehen in Erfüllung und es erfüllt sich in ihnen auch, womit die Schöpfung beginnt, um hier in eine neue Schöpfung zu münden, von der Erschaffung des Himmels und der Erde im ersten Kapitel des ersten Buchs Mose (Gen 1,1) bis zur Verheißung der Öffnung des Himmels im ersten Kapitel des Evangeliums nach Johannes (Joh 1,51). 


Der Himmel steht uns offen und deshalb auch der Weg in den Himmel. Derjenige, der ihn öffnet, steht hier und spricht zu Nathanael. Gerade dadurch spricht er auch zu uns allen. Weil er der Sohn Gottes ist, wie Nathanael bekennt. Weil er das Wort ist, wie Johannes sagt. Weil das Wort Gott ist, wie Johannes schreibt. 



Schluss



So endet das erste große Kapitel des Evangeliums nach Johannes mit einem großen Ausblick. Es ist der große Anfang eines Anfangs ohne Ende.


Die Szene mit Nathanael zeigt uns, dass wir Fragen stellen dürfen. Sie zeigt uns auch, dass wir mitkommen sollen und sehen müssen, um Antworten auf diese Fragen zu erhalten. Und sie zeigt uns, dass die Erkenntnis zum Bekenntnis führt. 


Vielleicht können wir sogar sagen, dass es gut ist, dass gerade hier, am Anfang des Evangeliums, gezeigt wird, dass es Menschen gibt, die Jesus sofort folgen, wie Andreas, Johannes, Petrus und Philippus (Joh 1,37, Joh 1,42, Joh 1,43), und zugleich Menschen, die einen gewissen Anlauf brauchen, wie Nathanael. Er ist ein wenig skeptischer, so wie viele von uns es sind, und dadurch wird seine Erkenntnis und wirkt sein Bekenntnis umso glaubwürdiger, gerade für die Fragenden, Nachfragenden und Hinterfragenden unter uns. 


Und es ist bezeichnend, dass diese Erkenntnis sich einstellt und dieses Bekenntnis erfolgt, nachdem Nathanael Jesus persönlich begegnet. Alles, was es braucht, um ihn zu überzeugen, ist eine Begrüßung, eine Frage und eine Antwort. 


Es sind übrigens nur diese drei Sätze, die Nathanael bzw. Bartholomäus im Neuen Testament und damit in der gesamten Bibel spricht: »Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?« (Joh 1,46), »Woher kennst du mich?« (Joh 1,48) und »Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!« (Joh 1,49


Nathanael stellt also zwei Fragen und legt bereits ein Bekenntnis ab. Es sind aber Fragen, die zu diesem Bekenntnis führen. Die erste Frage stellt in Frage und ist von einem gewissen Zweifel geprägt. Die zweite Frage stellt die erste Frage in Frage und ist von einem gewissen Zweifel am Zweifel geprägt. Und es ist Jesu Begrüßung, die ihn von der ersten Frage zur zweiten Frage führt, und Jesu Antwort, die ihn aus dem Fragen herausführt und ins Licht des Erkennens und Bekennens stellt.


Nathanael erkennt und bekennt, weil er erkannt und gekannt wird. Sein Erkennen und Bekennen verdanken sich Gott. So verhält es sich auch, wenn es um uns geht. Wir sind gekannt und werden geliebt. Unser Gekanntsein und Geliebtwerden verdanken sich Gott. Gott ist bei uns, kennt uns und erkennt uns. Erkennen auch wir ihn und lieben wir ihn. Der Himmel ist offen. 









Der Aufsatz "Randnotiz zu Johannes 1,48: 'Woher kennst du mich'" (37 Seiten) von Dalibor Truhlar (ISNI: 0000-0000-8402-2282) erschien im Mai 2026, ist auf Amazon ↗ als E-Book erhältlich, kann auf Google Books ↗ kostenlos gelesen und auf Zenodo ↗ (10.5281/zenodo.20460021) gratis als PDF heruntergeladen werden.

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