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Was ist Theologie?

  • Autorenbild: Dalibor Truhlar
    Dalibor Truhlar
  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Theologie als Durchdenken der Offenbarung Gottes


Autor: Dalibor Truhlar





Was ist Theologie?


Theologie ist das Durchdenken der Offenbarung Gottes, um sie besser zu verstehen, anderen besser verständlich zu machen und Gott bewusst näherzukommen.


Sehen wir uns diese Definition Wort für Wort an, aber nicht in der Reihenfolge der Wörter, sondern in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit. Tun wir es, indem wir mit dem Wichtigsten beginnen.



Gott an erster Stelle


Gott ist der Wichtigste. Er ist der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde, der uns aus Liebe ins Leben ruft, damit wir in ihm Liebe und Leben haben. Er steht immer im Zentrum, immer an erster Stelle, immer überall. 


So verhält es sich auch bei der Definition der Theologie. Denn was Theologie ist, ist nur deshalb von Bedeutung, weil Gott von Bedeutung ist. Das Gleiche gilt für das Denken und das Verständnis, denn diese sind in der Theologie nur deshalb von Bedeutung, weil sie sich auf Gott beziehen. Ebenso verhält es sich mit der Offenbarung, denn Offenbarung ist nur deshalb Offenbarung, weil Gott sie offenbart. Deshalb steht Gott immer im Zentrum, immer an erster Stelle, immer überall. 



Die Offenbarung Gottes


Gott offenbart sich uns auf unterschiedliche Weise. Das heißt, er gibt sich uns auf unterschiedliche Weise zu erkennen. Deshalb gibt es unterschiedliche Quellen der Offenbarung, mit denen die Theologie sich beschäftigen kann. Einige davon können wir als die wesentlichen betrachten. 


Zur Offenbarung gehören die Heilige Schrift, also die Bibel, die mündliche Überlieferung durch die Apostel, also die Tradition und ihre Weitergabe sowie das kirchliche Lehramt, also die Lehrautorität der katholischen Kirche, die sie bewahrt und auslegt. 


Dazu zählt auch die persönliche Begegnung mit Gott, wenn Gott sich uns zeigt, uns berührt, uns anspricht und wir ihn erkennen. Es ist ein Ereignis, das wir erleben, und eine Erkenntnis, die wir erfahren. 


Wir haben also viel, das wir im Rahmen der Theologie durchdenken können. Das beginnt mit dem Wort Gottes, das sich uns stets in neuer Tiefe eröffnet, selbst, wenn wir es Jahrzehnte lang studieren. So verhält es sich mit den Schriften der Kirchenväter, Kirchenlehrer und vieler anderer, die wir niemals genug lesen können. So verhält es sich mit den Schriften der Kirche, vom Katechismus über Konzilsdokumente bis zu Enzykliken, die uns helfen, besser zu verstehen. 


Und so verhält es sich erst recht, wenn wir unsere Augen und Herzen öffnen und erkennen, dass Gott selbst sich uns offenbart.



Das Durchdenken der Offenbarung


In der Theologie geht es darum, die Offenbarung Gottes zu durchdenken. Das Denken ist hier das Hauptmittel der Beschäftigung, wie bei jeder Wissenschaft. Es gehören auch andere dazu, aber sie alle wären unbrauchbar ohne das Denken.


Das Denken spielt deshalb die Hauptrolle, weil wir Vernunft haben. Sie ist uns gegeben. Also können und sollen wir sie nützen. Sie erweist sich als praktisch und zielführend. Es bleibt uns auch nicht wirklich etwas anderes übrig, weil wir sie nun einmal haben. Gerade deshalb sollten wir aber auch wissen, dass sie nicht alles ist, nicht alles sein kann und ihrer Erkenntnis Grenzen gesetzt sind.


Wichtig an diesem Denken in der Theologie ist, dass es ein Durchdenken ist. Durchdenken heißt, in die Offenbarung einzutreten und sich in ihr aufzuhalten, sie von innen heraus geistig zu durchwandern und aktiv zu durchforschen. Nur Denken wäre zu wenig, weil nur Denken kein Ziel hat. Nur Nachdenken wäre zu wenig, weil nur Nachdenken zu keinem Ziel führt. Etwas betrachten und sich überlegen, ist wunderbar. Aber etwas zu begründen und zu belegen, ist nur möglich, wenn wir es bewerten und beurteilen. Und das ist die Aufgabe jeder Wissenschaft. Und das funktioniert nur, wenn wir in das Thema eintauchen. Nicht in einer Reflexion, die bloß von außen wahrnimmt, oder einem Grübeln, das bloß von außen bedenkt. Sondern im Durchdenken von innen. 


Wichtig an diesem Durchdenken ist auch, dass es kein Weiterdenken darstellt. Ein Weiterdenken würde uns aus der Offenbarung hinausführen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass ein solches Denken zu falschen Ergebnissen führen würde, weil es der Grundlage dessen entbehrt, was es untersucht. Aber selbst wenn es zu richtigen Resultaten führen sollte, könnten wir es nicht überprüfen, weil wir uns außerhalb der Offenbarung befinden und damit außerhalb dessen, was die Überprüfbarkeit überhaupt erst ermöglicht. Wir dürfen uns mit unserem Durchdenken nicht außerhalb der Offenbarung begeben, bewegen oder befinden. Das Durchdenken findet in der Offenbarung statt.


Der Grund, warum wir dazu neigen, trotzdem weiterzudenken, besteht möglicherweise darin, dass wir etwas Neues entdecken und einen positiven Beitrag leisten wollen. Und das klingt gut. Aber es geht besser. Denn in Wirklichkeit zeigen wir dadurch nur, dass es uns dabei mehr um uns selbst geht als um die Offenbarung. Wir sind es dann, die etwas entdecken wollen, und stellen uns mit unserem Wollen vor die Offenbarung. Wir sind es dann, die einen Beitrag leisten wollen, und konzentrieren uns damit zum Teil auch auf unseren Willen statt auf den Willen dessen, der die Offenbarung zur Offenbarung macht. Vielleicht steckt auch die Sehnsucht nach Originalität dahinter. Und das wäre verständlich. Vielleicht sogar der Wunsch, ein Werkzeug der Wahrheit zu sein. Und das wäre besonders schön. Aber beide könnten zu einem Problem führen, wenn sie auf einen Selbstbezug abzielen. Unsere Originalität könnte die Offenbarung verdrehen. Unsere Wünsche könnten die Wahrheit verbiegen. Die Theologie wäre dann von Selbstorientierung getrieben und könnte zur Selbstzentrierung führen. Es geht aber nicht um uns. Es geht um Gott und seine Offenbarung. Denken wir also nicht über die Offenbarung hinaus, sondern denken wir in ihr, durchdenken wir sie.


Das könnte man als Einschränkung empfinden, weil es uns auf die Offenbarung einschränkt. Falls wir es so empfinden sollten, verstehen wir nicht, welche unendliche Weite, Breite und Tiefe die Offenbarung hat. Es ist, als würden wir in einem Zimmer ohne Fenster hinter verschlossener Tür auf die Glühbirne starren, weil wir uns nach Licht sehnen, während wir nur die Tür aufzumachen brauchen, damit die strahlendste Sonne und der hellste Tag Licht in alles bringen. 


Die Offenbarung schränkt uns nicht ein, sie öffnet uns alles. Deshalb sollen und müssen, können und dürfen wir sie durchdenken.



Theologie als Wissenschaft


Theologie ist eine Wissenschaft, also ein System von Wissen, das im Gegensatz zur ungeordneten Ansammlung von Informationen strukturiert, belegt und begründet ist. Wissen kann als Kenntnis dessen bezeichnet werden, was man für wahr hält. Dabei wird die Theologie, wie jede Wissenschaft, wesentlich nach ihrem Gegenstand und ihrer Methode bestimmt. 


Der Gegenstand der Theologie ist Gott. Das sagt bereits der Name, denn Theologie heißt Lehre von Gott. Der Ausdruck Theologie kommt vom griechischen θεολογία (theología), bestehend aus θεός (theós), Gott, und λόγος (lógos), Wort, Rede oder Lehre. Wobei es schön ist, dass gerade Logos im Sinne des Wortes für Jesus Christus steht. Deshalb beschäftigt sich die Theologie mit Gott. Und deshalb beschäftigt sie sich mit seiner Offenbarung. Weil die Offenbarung das ist, was Gott uns zeigt und wie Gott sich uns zeigt. Entsprechend kann auch alles Weitere Gegenstand der Theologie sein, wenn es mit der Offenbarung zusammenhängt und zu ihrem Verständnis beiträgt. Von den Sternen im Kosmos bis zum Grashalm auf der Wiese.


Die Methode der Theologie ist in erster Linie das rationale, kritische Denken. Ob im Bereich der biblischen, historischen, systematischen oder praktischen Theologie. Ob beim Studium der Bibel, Dogmatik, Seelsorge, Liturgie, Homiletik oder Ethik. Es geht immer darum, dass wir das, was wir untersuchen, studieren und mit Hilfe unserer Vernunft vernünftig erklären, also mit Belegen belegen und mit Begründungen begründen. Entsprechend kommen auch andere Methoden zum Einsatz, je nachdem, womit wir uns beschäftigen und aus welcher Perspektive unser Zugang erfolgt. Von Tontafeln, Papyrus und Pergament über Exegese der Schriften und Hermeneutik der Texte bis zur Archäologie. Entsprechend gehören auch die Ergebnisse empirischer Untersuchungen und die Erkenntnisse anderer Wissenschaften dazu, von Geschichte bis Geographie, von Physik bis Biologie, von Psychologie bis Soziologie. Aber ohne rationales, kritisches Denken wären all diese Einsichten nur ungeprüfte Feststellungen.


Das Denken bzw. in diesem Fall das Durchdenken soll natürlich vernünftig sein, also rational und logisch und kritisch. Wobei kritisch in diesem Zusammenhang bedeutet, hinterfragend und in Frage stellend. Das heißt nicht, dass wir nicht über Irrationales und Unlogisches nachdenken könnten, denn das kann ebenso Teil der Untersuchung werden. Und es heißt auch nicht, dass Rationalität und Logik alles sind. Sie sind nur die Art, wie wir denken und die uns gegeben ist. Wir sollten deshalb immer darauf achten, dass unser Denken rational, kritisch und logisch ist, wir sollten aber nie so überheblich sein, um es zu verabsolutieren und zu glauben, dass das alles ist. 


Nun könnte man fragen, ob jemand, der nicht glaubt, dem also der Glaube fehlt, Theologie betreiben kann. Und die Antwort lautet, selbstverständlich, ja. Auch jemand, der nicht glaubt, der nicht die Offenbarung für Offenbarung hält, kann sich mit ihr beschäftigen. Er wird nur einen entscheidenden Punkt nicht wirklich verstehen, und zwar den Glauben. Der Glaube ist von zentraler Bedeutung, wenn es um die Offenbarung geht, weil er den Weg in sie öffnet, und von fundamentaler, wenn es um unsere Beziehung zu Gott geht, weil er uns auf Gott ausrichtet. Deshalb sollte man hier eine gewisse Erfahrung haben oder zumindest ein gewisses Wissen. Der Glaube ist ja kein Dafürhalten im Sinne des Meinens und kein Produkt des Überlegens. Der Glaube ist die Antwort des Menschen an Gott, der sich dem Menschen offenbart. Er ist also eine Reaktion auf die Offenbarung, ein Verhalten, das aus der Offenbarung Gottes folgt. Wer eine solche Antwort nicht geben kann, wer also nicht darauf reagiert und sich nicht danach verhält, wird den Glauben wohl nicht ganz verstehen können. Er kann sich zwar über den Glauben informieren und versuchen, ihn zu begreifen. Ob ein solches Studium zu einem ausreichenden Verständnis führt, ist jedoch die Frage. Aber vielleicht hilft gerade die Theologie in dieser Hinsicht, weil sie die, die sich um sie bemühen, dabei unterstützt, sich für die Offenbarung zu öffnen.



Um zu verstehen und verständlich zu machen


Der Zusatz, dass es der Theologie darum geht, die Offenbarung Gottes besser zu verstehen und anderen besser verständlich zu machen, richtet das Durchdenken in eine bestimmte Richtung. Es zeigt uns, warum und wozu wir Theologie betreiben. Um die Offenbarung Gottes besser zu verstehen und anderen besser verständlich zu machen. 


Der Punkt mit den anderen ist deshalb wichtig, weil wir es nicht nur für uns tun und auch nicht nur allein tun. Wenn wir uns um ein besseres Verständnis bemühen, tun wir es vielleicht in der Einsamkeit unseres Zimmers, aber nicht in der Isolation unseres Ich. Wir tun es immer auch für die anderen und mit den anderen. Und wir tun es auch immer mit Gott. In der Theologie ist das Ich im Wir und das Wir in Gott.


Wenn wir uns das bewusst machen, können wir uns in unserem Denken bewusst darauf ausrichten. Deshalb ist es wichtig, das festzuhalten. Damit unser Denken die richtige Richtung findet und den Sinn erkennt, der es anzieht und zu sich vorantreibt. Theologie dient dazu, dass wir die Offenbarung besser verstehen und anderen besser verständlich machen.


Aus dieser Perspektive können wir auch die einzelnen Theologien besser beurteilen. Wenn uns eine Theologie hilft, die Offenbarung Gottes besser zu verstehen, erfüllt sie ihre Aufgabe. Wenn sie uns nicht dabei hilft, erfüllt sie ihre Aufgabe weniger. Das heißt nicht, dass sie schlecht ist oder falsch ist oder nichts bringt. Vielleicht bringt sie sogar sehr viel. Aber wohl nicht in der Hinsicht, in der sie etwas bringen sollte. Wenn wir eine Theorie oder eine Methode sehen, die uns nicht dabei hilft, die Offenbarung Gottes besser zu verstehen, ist sie theologisch wirklich sinnvoll? Es könnte sein, dass sie es ist, und wir sehen es nur nicht. Sie mag auch in anderer Hinsicht sinnvoll sein, vieles erklären und aufklären, neue Zusammenhänge herstellen und Hintergründe beleuchten. Aber für den theologischen Standpunkt ist es entscheidend, dass sie uns hilft, die Offenbarung Gottes besser zu verstehen. Sie soll uns weiterbringen, weil sie uns weiterführt. Es stellt sich also die Frage, wohin sie uns führen soll.



Um Gott näherzukommen


Theologie soll uns zu Gott führen. Denn letztlich geht es in der Theologie darum, Gott bewusst näherzukommen. Die Theologie kann uns dabei helfen, wenn sie uns dabei hilft, Gottes Offenbarung besser zu verstehen. Was sonst sollte das Ziel der Theologie sein? 


Wir könnten argumentieren, dass wir Theologie betreiben, weil wir neugierig sind und es uns interessiert. Aber fragen wir weiter, warum wir neugierig sind und warum es uns interessiert. Und seien wir bei der Antwort ehrlich. Es ist wegen Gott. Es geht um Gott.


Das Schöne daran ist, dass je näher wir zu Gott kommen und je besser wir seine Offenbarung verstehen, wir auch umso besser erkennen, dass die Offenbarung nicht nur das Ziel ist, sondern bereits die Grundlage, und dass wir Gott nicht nur näherkommen, sondern längst bei ihm sind. 


Gott kommt immer zuerst und deshalb kommt seine Offenbarung zuerst, vor jeder Theologie.








Der Aufsatz "Was ist Theologie: Theologie als Durchdenken der Offenbarung Gottes" (13 Seiten) von Dalibor Truhlar (ISNI: 0000 0000 8402 2282) erschien im Januar 2026, ist auf Amazon ↗ als E-Book erhältlich, kann auf Google Books ↗ kostenlos gelesen und auf Zenodo ↗ (10.5281/zenodo.18315448) auch als PDF heruntergeladen werden.

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